Bisher war ich nur ein einziges Mal in Polen: In der zehnten Klasse in Auschwitz. Toller erster Eindruck. Um ehrlich zu sein, hätte ich nie geglaubt, dass Polen so ein schönes, sympathisches Land ist. Bis ich vergangenes Wochenende 45 Stunden in Warschau verbracht habe, und mich Hals über Kopf in die Stadt verliebt habe.

Als meine ehemalige Mitbewohnerin Charlotte mir schrieb, dass sie nach ihrem Semester in Posen nun noch einige Zeit in Warschau verbringt, stand für mich fest: Okay, diese Gelegenheit muss ich nutzen. Ich buchte also sofort meinen Flug, da hatte sie noch nicht mal eine Wohnung. Freitag war es dann soweit, ich fuhr abends nach Frankfurt, um drei Stunden später in Warschau zu landen.

Auch die kommunistischen Plattenbauten haben Charme

Charlotte holt mich vom Flughafen ab, wir machen uns auf zu ihrer Unterkunft. Der erste Eindruck der Stadt: überall kommunistische Plattenbauten, die aber irgendwie hierher gehören. Bei ihr angekommen wird mir auch sofort klar: So hässlich diese Bauten von außen aussehen, umso gemütlicher sind sie von innen. Wir verbringen also den schon recht späten Abend in der winzigen Küche mit einer Flasche Wein und dem korpulenten Kater ihrer polnischen Mitbewohnerin.

Am nächsten Morgen schlafen wir recht lange, machen uns nach einem Tee auf ins Charlotte, einem super schönen Café zum Frühstücken. Wäre das Café am Prenzlauerberg in Berlin, dann hätten wir sicherlich für das, was dir uns alles gönnen, um die 40 Euro gezahlt. Wir bestellen beide ein Croque Monsieur, zusätzlich Croissants, Brot, unfassbar leckeren Schokoaufstrich und Cappuchinos. Die Rechnung? Zusammen 18 Euro, kein Vergleich zu den Preisen in Deutschland.

Warschau erinnert an Berlin, allerdings mit toller Altstadt

Vollgefressen machen wir uns auf zu einem sehr kleinen, gut sortierten Vintage-Laden, der genauso auch in Berlin stehen könnte. Safripsti führt allerdings nur Frauenklamotten, dafür aber ziemlich coole. Das hübsche Lädchen daneben hat es mir aber um einiges mehr angetan: Bei Makutra gibt es alles was das Küchenutensilien-Herz begehrt: Tolle Tassen, ausgefallene Gläser und ganz viel Moomin-Kram. Das Beste? Alles ist dort super billig, aber sehr hochwertig. Hätte ich auf dem Rückflug nicht nur Handgepäck, wäre sicherlich mehr in meinen Rucksack gewandert.

Malina hat sich Hals über Kopf in die Warschauer Altstadt verliebt.

Malina hat sich Hals über Kopf in die Warschauer Altstadt verliebt.

Dann geht es in die Altstadt, wohl eine der schönsten, die ich je gesehen habe. Alles ist verwinkelt, die Häuser sind in Erd- und Pastelltönen, die meisten davon schön verziert. Trotz der Kälte und des schlechten Wetters verliebe ich mich augenblicklich in die Stadt. Ein wenig wie Berlin, nur eben inklusive einer tollen Altstadt mit sehr viel Charme. Auch sieht man hier wenig Touristen. Aber wahrscheinlich denken sich die meisten ebenso wie ich: „Polen? Was soll ich da? Da fliege ich doch lieber nach London, Amsterdam oder Stockholm!“ Was ein Fehler!

Die Preise sind ein Witz

Nach einem Tee zum Aufwärmen in einem der schönen Cafés verbringen wir den Rest des Nachmittags wetterbedingt in einem großen Einkaufszentrum und debattieren, wo wir abends Essen gehen. Denn die Möglichkeiten sind unendlich. Hier müssen wir nicht drauf achten, ob ein Restaurant nun teuer oder billig ist, denn die Preise sind wirklich ein Witz. Es zieht uns ins israelische Restaurant Shipudei Berek, ebenfalls sehr hip und modern. Auch hier müssen wir kurz warten, bis wir Plätze bekommen. Was mir aber erneut auffällt: Bisher waren wirklich alle Polen, denen wir so begegnet sind sehr sehr freundlich. Ganz anders als in Deutschland.

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Natürlich gab es hunderte Spots zum Selfies machen.

Wir verputzen Unmengen an Dips, Antipasti, Pita und Fleisch. Inklusive Getränken sind es pro Person sieben Euro. Im strömenden Regen ziehen wir dann los nach Praga, das wohl mittlerweile als ziemliches Hipsterviertel gilt und voller Bars ist. Auf eine Empfehlung hin machen wir es uns im Absurdu bequem. Überall stehen alte Sessel und Sofas, an den Wänden hängen Fotos aus längst vergangenen Zeiten. Es ist super gemütlich, irgendwann fängt eine Band an zu spielen. Was es für uns zum Trinken gibt? Erstmal ein großes Bier, aber nicht irgendeins. In Polen ist es weit verbreitet, ins Bier Ingwersirup reinzumachen, manchmal wird es sogar noch erhitzt. Und ja, das schmeckt in der Tat richtig gut. Etwas, das ich auf jeden Fall nachmachen werde. Danach trinken wir etwas ebenfalls sehr typisches: Heißer Apfelsaft mit Büffelgras-Vodka und Zimt. Perfekt für einen regnerischen Samstagabend.

Die Tore der Uni erinnern an den Buckingham Palace

Mit der letzten Straßenbahn fahren wir wieder zurück und kuscheln uns ins Bett. Bei dem miesen Wetter haben wir nicht mehr die größte Lust nochmal weiterzuziehen. Am nächsten Morgen lassen wir es erneut ruhig angehen. Da ich völlig begeistert von den selbstgemachten Schokoaufstrichen im Charlotte war, frühstücken wir dort erneut, gehen danach wieder in die Altstadt, schießen ein paar Fotos und erkunden den anderen Teil der Innenstadt. Was mir besonders auffällt: Wie schön ist denn bitte das Hauptgebäude der Uni? Die Tore erinnern eindeutig an den Buckingham Palace. Wirklich ein Traum und vielleicht realistischer als das Studium in Oxford, was als Harry Potter-Fan natürlich das Ultimative wäre. Eins steht also fest: Mir ist Warschau so sympathisch, dass ich mich daheim definitiv über Studiengänge dort informieren werde.

Warschau hat mich völlig begeistert

Das Wetter ist zwar besser, aber von dem vielen Rumgelaufe tun uns die Füße weh. Also gehen wir in die Cheesecake Corner, essen leckeren Kuchen und trinken Tee. Vor allem Charlottes New York Cheesecake mit Mango ist sehr zu empfehlen. Mein Basier-Pistazien-Kuchen hingegen war mir etwas zu süß. Kurz bevor wir eigentlich gehen wollen, kommen wir mit einem Pärchen aus Dubai ins Gespräch, die beide Firmen führen und die ganze Welt bereisen. Es ist ein super interessantes Gespräch, letztendlich sind wir gefühlt noch eine Stunde länger im Café und unterhalten uns mit ihnen.

Dann muss ich in Charlottes Wohnung meinen Rucksack holen, sie bringt mich noch zum Flughafen. Ein sehr schönes, entspanntes Wochenende in einer atemberaubenden Stadt geht zu Ende. Ich habe Polen wirklich völlig unterschätzt. Aber das sind eben die schönsten Trips: An Orte, von denen man gar keine Ahnung hat, wie toll sie eigentlich sind. Denn dann ist man nochmal begeisterter, als man es sowieso wäre. Ich kann wirklich jedem Warschau nur ans Herz legen.

 

Fotos: Malina Sternberg

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