Eins steht schon vor dem Entzünden der olympischen Flamme in Rio fest: So skandalumwoben wie die Sommerspiele 2016 war das größte Sportfest der Welt noch nie. Dopingvorwürfe an Russland, Bau-Chaos bei den Austragungsorten – in funkelndem Glanz erstrahlen die fünf Ringe wohl kaum. Trotzdem sind die Olympischen Spiele ein Symbol, ein Symbol, das die Welt heute dringend braucht.

Ein Kommentar

Was wollen die Olympischen Spiele eigentlich sein? Standen sie nicht mal für Völkverständigung? Für Sportsgeist? Ein Event, das Krieg und Konflikten trotzt und auch in schwersten Zeiten Sportler aller Länder zusammenbringt? Ein schöner, naiver Traum.

Heute geht es nur noch um Geld und Ansehen, bei Olympia, beim Fußball, den meisten sportlichen Großevents. Dabei ist vollkommen egal, ob ein Austragungsort die Last einer solchen Großveranstaltung überhaupt tragen kann – siehe Sochi oder eben Rio. Ruhm und Glanz für einen kurzen Moment, Großbaustellen für Locations, die hinterher keiner mehr braucht. Arbeitskräfte, die ausgebeutet werden. Und Sportler, die ihre Körper ruinieren, weil Erfolgsdruck oder Vater Staat es fordern.

Das ist Olympia. Und die kurze Aufmerksamkeit, die auf die Probleme des austragenden Landes gelenkt wird, sorgt auch nur für ein betroffenes Schulterzucken.

Doch Olympia ist mehr als das, oder könnte mehr sein. In Rio kommen Sportler aller Nationen zusammen. Über die Medien werden Menschen aller Nationen mitfiebern, sich vom olympischen Gedanken anstecken lassen. Nicht mehr hinzuschauen, die Fernseher und Streams aus Protest gegen alles, was schief läuft, auszulassen, würde unseren Athleten nicht gerecht, die hart arbeiten, nicht dopen, und dort Bestleistungen abrufen. Auch aus Osthessen starten fünf junge Sportler in Richtung Rio. Wir drücken ihnen die Daumen, denn Anna, Lisa, Jan-Philip, Sara und Julian haben sich ihr Ticket verdient.

Wir sollten nicht nur, wir müssen hinsehen. Hinsehen, welche Machenschaften geleakt werden, hinterfragen, was uns die Verantwortlichen glauben lassen wollen, unsere Meinung äußern. Denn in Zeiten, in denen Massen ihre Heimat verlassen und Schutz suchen müssen, in denen Angst die Medien beherrscht, sind Toleranz und Zusammenhalt die einzigen wirksamen Waffen.

Ein Zeichen dafür setzen die Veranstalter selbst. Denn unter all den Sportlern der verschiedenen Nationen wird auch ein Team auflaufen, dass es so noch nicht gab. Das Team der Refugee Olympic Athletes. James Chiengjiek, Yiech Biel, Rose Lokonyen, Anjelina Lohalith und Paolo Lokoro aus dem Südsudan, Yonas Kinde aus Äthiopien, Popole Misenga und Yolande Mabika aus der Demokratischen Republik Kongo und Ramis Anis und Yusra Mardini aus Syrien werden bei den Spielen antreten. Refugees, die in ihren neuen Gastländern anerkannt wurden und unter der olympischen Flagge mit der olympischen Hymne starten. Auch das ist Olympia.

In den vergangenen Wochen haben wir dir unsere fünf Teilnehmer vorgestellt. Hier alle fünf nochmal im Überblick:

Sara Gambetta

Foto: Charlie Rolff

Foto: Charlie Rolff

Jan-Philipp Glania

Foto: Rainer Jensen/dpa

Foto: Rainer Jensen/dpa

Julian Flügel

160720_wer_ist_julian

Anna und Lisa Hahner

Foto: Moritz Schleiffelder

Foto: Moritz Schleiffelder

Wir drücken allen fünf ganz fest die Daumen und wünschen viel Erfolg!

Faktencheck:

Athleten aus 206 Nationen werden in den kommenden Wochen in Rio antreten. Die USA entsenden mit 555 Sportlern die meisten Athleten.

In 32 Sportarten werden bei den Sommerspielen Wettkämpfe ausgetragen. Neu dabei sind Rugby und Golf. In der Bewerberliste standen auch Inlineskating und Karate, bekamen den Zuschlag aber nicht.

Das Maskottchen der Spiele ist Vinicius, ein Fabelwesen, das die Fauna Brasiliens präsentieren soll. Tom ist das offizielle Maskottchen der Paralympischen Sommerspiele und repräsentiert die Flora. Beide wurden von der brasilianischen Agentur Birdo gestaltet.

Foto: Alex Ferro/epa

Foto: Alex Ferro/epa

Zum ersten Mal durften Sportfans und Athleten aus fünf Kandidaten den Fahnenträger der deutschen Mannschaft wählen. Zur Auswahl standen Bahnrad-Sprinterin Kristina Vogel, die Moderne Fünfkämpferin Lena Schöneborn, Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke, Hockeyspieler Moritz Fürste und Tischtennisspieler Timo Boll. Wer vom Publikum gewählt wurde, wird am Donnerstag bekanntgegeben.

ARD und ZDF planen über 300 Stunden Live-Berichterstattung aus Rio. Im Fokus stehen neben den Kernstportarten Leichtathletik und Schwimmen dieses Mal die Mannschaftssportarten.

Erstmals starten bei Olympischen Sommerspielen die deutschen Fußballteams der Männer und der Frauen.

Die Tickets für die Wettkämpfe kosten zwischen 13 und 66 Euro.

Dass die Bauarbeiten für die Wettkampfstätten und das Olympische Dorf Rio vor eine riesige Herausforderung gestellt haben, ist kein Geheimnis. Mit Eröffnung des Olympischen Dorfes vor zwei Wochen wurden die Organisatoren auch sofort mit Beschwerden der Sportler bombardiert. Verstopfte Toiletten, undichte Rohre – es gab noch eine Menge zu tun. 500 Arbeiter sollen eigens dafür abstellt worden sein, um die Mängel zu beheben.

Diese könnten die vorerst letzten Olympischen Sommerspiele sein, die von ARD und ZDF übertragen werden. Die Erstsenderechte für 2018 liegen beim US-Medienkonzern Discovery (Eurosport), über Sub-Lizenzen wird derzeit noch verhandelt.

Foto: Header-Foto: Friso Gentsch/dpa

Share This