Wer wollte nicht schon mal auf der Autobahn mit dem Fahrrad oder dem Skateboard lang cruisen? Natürlich ohne die Gefahr direkt von einem Porsche Cayenne mit 130km/h umgewalzt zu werden. Diese Möglichkeit gab es jetzt im Rahmen der Fahrrad- und Skate-Demo. Aber dabei ging es natürlich um viel mehr als nur darum auf der Autobahn zu fahren. Sie stand für mehr Rechte der Radfahrer und generell für einen Rückbau des PKW-Verkehrs in der Innenstadt ein. Alle genauen Forderungen haben wir hier bereits aufgelistet. 

Ich bin selber leidenschaftlicher Fahrradfahrer, da ich es zum einen hasse, zu Fuß irgendwo hingehen zu müssen und auch nicht immer Lust hab, zu gucken wann der nächste Bus fährt. Mit dem Fahrrad ist man einfach extrem flexibel, unabhängig und tut nebenbei noch etwas für die Fitness (sofern man es denn auch regelmäßig macht). In Marburg ist das mit dem Fahrrad fahren allerdings so eine Sache. Nicht überall sind klar gekennzeichnete Fahrradwege, was die eine oder andere Tour durchaus zum Wagnis machen kann. Allein schon aus diesem Grund wollte ich mir die Demo mal anschauen, mitfahren und anhören, was die Veranstalter zu sagen haben.

Los ging es an der Mensa, von wo sich der Tross langsam in Bewegung setzte, erstmal über die Stadtautobahn entlang der Philosophischen Fakultät Richtung Bahnhof. Hier gab es noch eine kleine Kundgebung auf der mehr Rechte für die Radfahrer im Straßenverkehr gefordert wurden. Mit Musik und viel Geklingel drehten wir die Runde an der Neuen Kassler Straße und vorbei an der Post wo es dann endlich auf die B3 ging, die natürlich vorher von der Polizei in Richtung Gießen abgesperrt worden war. Kleiner Nebenfakt: auch wenn ich es versucht habe, bin ich leider nicht geblitzt worden. Schade, wäre auf jeden Fall ein cooles Andenken gewesen.

Weit mehr Menschen als erwartet nahmen an der Demo Teil.

Weit mehr Menschen als erwartet nahmen an der Demo Teil.

Die kurze Fahrt über die Autobahn war definitiv das Highlight der Demo. Allein schon das Bild des langen Trecks der Fahrradfahrer, Inlineskater und Skateboarder war sehr beeindruckend und sah von der Brücke bestimmt noch eine Ecke besser aus. Laut Polizei wurden knapp 200 Demonstranten erwartet, die aber locker übertroffen worden sind. Mindestens 250 bis 300 Menschen, jedes Alters und Beförderungsmittels, sind mit geradelt oder gerollt.

Mit meiner Einstellung war ich auf der Demo auf jeden Fall nicht alleine. Mario (27) hatte ähnliche Beweggründe. Er sei vor allem für die Radfahrer heute dabei gewesen. Aber auch dafür, dass es in Marburg weniger Autos in der Innenstadt geben sollte. So fand zum Beispiel auch die Idee einer Straßenbahn in einer Autofreien Innenstadt generell großen Anklang bei den Teilnehmern. Ob er glaubt, dass sich durch die Demo irgendetwas ändert frage ich ihn noch zum Abschluss. Das habe für ihn nicht die höchste Priorität. Wichtig sei in erster Linie neue Leute für die Sache der Radfahrer zu gewinnen, damit beim nächsten Mal noch mehr Leute dabei sind. Aber nicht nur bei großen Demos wie heute. Er ist auch jeden dritten Donnerstag im Monat bei der Critical Mass dabei, wenn sie sich zum gemeinsamen Fahrradfahren im losen Verband treffen, um für eine umweltverträgliche Mobilität und eine menschenfreundliche und nachhaltige Stadtentwicklung zu werben.

 

Fotos: Maximilian Scharffetter

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