Einer internationalen Bande von mutmaßlichen Anlagebetrügern hat die Polizei in Mittelhessen das Handwerk gelegt. Die Betrügerbande soll von mindestens 300 Opfern mindestens fünf Millionen Euro erschwindelt haben. Die Masche funktionierte über Call-Center, Internet und ein Netz von Scheinfirmen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilten. Bei Anruf Betrug: Am Telefon lassen sich Anleger zum Aktienkauf überreden. Die Firmen existieren laut Ermittler, die Aktien aber nicht. Das Geld soll bei den Gaunern gelandet sein.

Im Zuge der monatelangen Ermittlungen wurden 25 Objekte in Nordrhein-Westfalen, Bremen und Niedersachsen durchsucht. Die Polizei nahm 17 Verdächtige fest, gegen 14 von ihnen erging Haftbefehl. Die Drahtzieher im Alter zwischen 35 und 45 Jahren sitzen nun in Untersuchungshaft. Andere Verdächtige kamen wieder auf freien Fuß. Die Festnahmen erfolgten im Raum Düsseldorf, in Bremen und Ritterhude (Niedersachsen) sowie in Spanien.

Ausgangspunkt der Fahndung waren Anzeigen zweier Geschädigter aus Marburg und Schwalmstadt. Sie hatten nach Anrufen vermeintlicher Vermögensberater nicht vorhandene Aktien börsennotierter Unternehmen erworben. Die Spur führte zu zwei Call-Centern in Düsseldorf. Dort wurden die Mitarbeiter nach Auskunft der Staatsanwaltschaft bei der Arbeit festgenommen. Außerdem existierten Call-Center in Köln und Spanien.

Über das Telefon sollen sich die Betrüger als Mitarbeiter von Vermögensberatungen mit Sitz in Bremen, den USA, Luxemburg, der Schweiz und Großbritannien ausgegeben und die Aktien angeboten haben. Die Beschuldigten sind verdächtig, Callcenter in Düsseldorf, Köln und Spanien errichtet und betrieben zu haben und über diese tatsächlich nicht existente Aktien namhafter Unternehmen über Telefon angeboten zu haben. Dabei meldeten sich die Anrufer als Mitarbeiter folgender Unternehmen:

  •  Russell & Partner Trust Financial Management Inc mit Sitz in
    Miami, USA,
  • LF-Trust Europe mit Sitz in Luxemburg
  •  Lloyd Financial Service mit Sitz in Manchester, Großbritannien,
  • Master Financial Services mit Sitz in Genf
  • Maxx Trade/ Maxx Fair Trade GmbH mit Sitz in Bremen
  • First American Credit Institute mit Sitz in Oregon, USA

Für diese Firmen wurden aufwändige Internetauftritte eingerichtet, die zum Teil auch über einen Log-In-Bereich verfügten, in denen die Geschädigten den Wert der vermeintlichen Anleihe oder Aktie in ihrem Portfolio verfolgen konnten. Parallel zu diesen Firmen wurden angebliche Treuhänderfirmen gegründet, auf deren Konten die Geschädigten den Kaufpreis überweisen sollten. Die eingehenden Überweisungen wurden zeitnah entweder in bar abgehoben oder für den Online-Erwerb von Goldmünzen bei diversen Edelmetallhändlern eingesetzt. Das bestellte Gold wurde wiederum an Briefkastenfirmen in Nordrhein Westfalen und Niedersachsen geliefert und von Mittätern abgeholt und verteilt.

Im Rahmen der Maßnahmen gegen die Beschuldigten konnten bislang Vermögenswerte im Wert von etwa. 850.000 Euro gesichert werden. Zur Gewinnabschöpfung wurden Vermögensermittler des Polizeipräsidiums Mittelhessen hinzugezogen.

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

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