Eine Marburger Krankenschwester steht im Verdacht, mindestens einem Baby Narkosemittel verabreicht zu haben. Für die Ermittler ist es eine schwierige und langwierige Aufgabe, mögliche weitere Opfer zu finden.

Rund drei Monate nach der Festnahme einer Marburger Krankenschwester, die mindestens einem Frühchen unerlaubt Narkosemittel gegeben haben soll, erwarten die Ermittler demnächst die ersten Ergebnisse. Das sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Marburg, Ute Sehlbach-Schellenberg, am Montag der dpa. „Wir haben Zwischenergebnisse. Darauf bauen wir auf.“ Die Staatsanwaltschaft könne aber nur abschließende Ergebnisse veröffentlichen. Alles andere würde das Bild „möglicherweise völlig verfälschen“.

Die Krankenschwester soll ein wenige Tage altes Baby mit zwei Narkosemitteln beinahe umgebracht haben. Die Frau kam Anfang Februar wegen versuchten Totschlags in Untersuchungshaft. Die Ermittler schlossen aber nicht aus, dass sie auch anderen Babys die Medikamente verabreicht und dadurch womöglich sogar getötet hat. Wegen dieses Verdachts wurde Mitte Februar eine Babyleiche exhumiert. Das Kind war im Dezember auf der Frühchenstation der Marburger Uni-Klinik gestorben. Die Gerichtsmediziner untersuchten zudem unter anderem Blutproben weiterer Kinder.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich um „umfangreiche, vielschichtige und komplizierte Ermittlungen“. Mittlerweile sei auch ein Facharzt als Sachverständiger hinzugezogen worden. Zudem sei bei der Verdächtigen eine Haarprobe genommen worden.

Über die Haarprobe hatte zuvor die Bild-Zeitung berichtet. Zudem sollen dem Bericht zufolge bei dem exhumierten Baby die Narkosemittel in geringer Menge nachgewiesen worden sein. Das sei auch bei Blutproben von sieben gestorbenen Kindern der Fall. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, sie könne den Bericht so nicht bestätigen.

Der Fall hatte am Marburger Uni-Klinikum Bestürzung ausgelöst. Die Mitarbeiter hätten auf den Verdacht „sehr erschrocken“ reagiert, sagte ein Kliniksprecher Mitte Februar. Nach Angaben des Krankenhauses hatten Ärzte verdächtige Werte bei dem betroffenen Frühchen festgestellt und Staatsanwaltschaft und Polizei informiert.

 

Foto: Uwe Zucchi /dpa

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