Die Partei der Humanisten hat seit September auch einen Landesverband für Hessen. Ihr stellvertretender Vorsitzender hat hier in Marburg studiert. Grund genug, um da mal ein wenig nachzuhaken und in einer Zeit der „Politikverdrossenheit“ zu fragen: „Warum und wieso überhaupt?“.
Die Partei der Humanisten ist eine sehr junge Partei. Sie hat sich erst 2014 in Berlin gegründet und seit September dieses Jahres gibt es jetzt auch einen Landesverband Hessen. Torben Pöllmann ist der stellvertretende Vorsitzende der Hessen und hat in Marburg Biologie, Ethik und Philosophie auf Lehramt studiert. Somit hatte ihn sein Studium quasi perfekt auf die Parteiarbeit vorbereitet, da ihr Slogan „Freiheit. Fairness. Fortschritt“ lautet. Große Themen also, die sich auch mit großen Ambitionen paaren.

Aber warum geht man zu einer extrem jungen und neuen Partei und nicht zu einer, die es schon länger gibt, bei der schon Netzwerke bestehen? Warum zu einer politisch unerfahrenen Partei gehen, bei der man noch keine Unterstützung erhält und bei der man alles selbst aufbauen muss? Für Torben waren grade die Aspekte ausschalggebend. Seit seiner Jugend hat er sich für Politik interessiert und nach Parteien Ausschau gehalten, doch keine hat ihn wirklich überzeugt, dort mitzumachen. Das hatte verschiedene Gründe. Zum einen hatte er immer das Gefühl der Bedeutungslosigkeit in einer etablierten Partei, sprich: „Macht das jetzt überhaupt einen Unterschied, wenn ich hier mitarbeite? Kann ich hier irgendetwas mitbeeinflussen?“. Darüber hinaus hatte er das Gefühl, dass sich die großen Parteien regelmäßig selbst verraten. Vor dem Wahlkampf wird dann wieder kurz in den Rhetorik- und Ideologiekisten gekramt, um die Wähler zu mobilisieren, nur um dann danach mit Parteien Koalitionen einzugehen, die man zuvor noch kategorisch ausschloss.

Das ist bei einer neu gegründeten Partei natürlich vollkommen anders, denn hier ist man zum einen noch „vor Ort direkt dabei“, sagt er. Zum anderen schreibt sich seine Partei keine Ideologie als „die Richtige“ auf die Fahne. Ob sie das nicht ein wenig wahllos macht? „Die Frage kann man schon stellen, aber wir sind uns zumindest soweit einig, dass wir uns auf wissenschaftliche Fakten verlassen, anstatt auf vorher festgelegte Ideologien. Und wenn Wissenschaft nun zu konträren Ergebnissen kommt, dann muss man halt gesamtgesellschaftlich damit leben, auch wenn es einem ideologisch nicht ganz passt, kann es trotzdem gesamtgesellschaftliche Realität sein“.

Trotz der angeblichen Ideologielosigkeit der Partei fällt ein Programmpunkt direkt ins Auge: der Aspekt der Säkularisierung. „Das könnte auch der Grund sein warum wir im Süden stärker vertreten sind, weil die Gesellschaft im Norden nicht mehr so stark religiös geprägt ist und es dort nicht so viele direkte Konfrontation von Kirche und Gesellschaft gibt“, meint Torben „Wenn du dich in Bayern als Atheist oder Agnostiker bewegst, eckst du eher an und suchst dadurch auch eher nach Alternativen, und dann zieht unser Hauptthema der Säkularisierung natürlich auch besser bei diesen Menschen“. Unter Säkularisierung versteht die Partei eine vollständige Trennung von Staat und Kirche, sprich: keine finanziellen Verpflichtungen oder Verbindungen mit religiösen Gemeinschaften, da Religion für die Partei Privatsache ist und vom Staat nicht subventioniert werden sollte. „Es steht jedem Bürger frei, seiner Religion nachzugehen, solange diese gelebten und geglaubten Weltbilder Privatsache bleiben, von ihnen keine Manipulation, Einschüchterung, Bedrohung, keine ungesetzlichen Handlungen oder Aufrufe zu solchen oder sonstige öffentliche negative Wirkung zur Folge haben“ (Grundsatzprogramm der Partei).

Darüber hinaus setzt sie sich dafür ein, den Religionsunterricht aus den staatlichen Lehrplänen zu streichen, zugunsten von einem ethisch-philosophischen Unterrichtsfach, welches alle Religionen neutral behandeln soll und keine bevorzugt. Das bedingungslose Grundeinkommen ist ebenfalls ein großes Thema. Dafür gibt es laut Torben viele Gründe innerhalb der Partei. Zum einen ist da die fortschreitende Industrialisierung und Technologisierung der Gesellschaft und Wirtschaft, wodurch die menschliche Arbeitskraft immer mehr obsolet wird. Zum anderen gäbe es durch das Grundeinkommen auch eine Maximierung der individuellen Freiheit: „Aktuell werden Menschen die keiner Arbeit nachgehen eher sanktioniert beziehungsweise gedrillt, sich irgendetwas zu suchen, anstatt ihnen die Möglichkeit zu geben sich frei zu entwickeln und zu entfalten“, erklärt Torben.

Und auch bei der Drogenpolitik ist die Partei sehr liberal aufgestellt. In ihrem Programm fordert sie eine Legalisierung beziehungsweise Entkriminalisierung. Das bedeutet aber nicht, dass die Einnahme von Drogen folgenlos bleiben soll. Lediglich die strafrechtliche Verfolgung soll hier ausgesetzt werden: „Bei Personen, die Heroin nehmen, stattdessen eine gewisse Form der Unterstützung, wie Sozialleistung, anbieten und so insgesamt die Menschen einfach nicht alleine lassen“, fasst es Torben zusammen.

Bei all den Punkten könnte man meinen, dass es sich um eine reine Studentenpartei handelt. Gratis Geld, Bildung statt Kirche und Drogen legalisieren. Doch auch wenn viele der Mitglieder aktuell Akademiker sind, so steht hinter jedem Punkt eine schlüssige Argumentation, die man zwar nicht unbedingt teilen muss, die aber auf jeden Fall ihre Legitimation besitzt.

Insgesamt ist die Partei noch sehr neu auf dem politischen Parkett und es wird ein wenig Zeit brauchen, bis sie sich entschieden hat, wofür sie steht und was sie erreichen möchte. Das ist auch völlig normal für eine junge Partei, in der viele verschiedene Menschen versuchen ihre Ideen und Ambitionen einzubringen. Grade so eine junge Partei kann sehr interessant für Menschen sein, die sich noch nie oder nicht viel mit Politik beschäftigt haben, um ein wenig direkte Demokratie zu schnuppern. Und auch das Programm mit dem Alleinstellungsmerkmal der geforderten Säkularisierung und des bedingungslosen Grundeinkommens könnten ein wenig frischen Wind in den politischen Alltag bringen. Denn Politik lebt von Diskussionen und ein paar neue Themen können da garantiert nicht schaden.

Was meint ihr? 

 

Foto: Maximilian Scharffetter

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