Wer das Musical Jesus Christ Superstar kennt, der weiß, dass man kein religiöser Mensch sein muss, um es zu mögen, um es zu verstehen. Dass es bei dem Musical nicht darum geht, den Glauben neu zu entdecken oder seine Liebe zu Jesu Christi zu beweisen. Vielmehr geht es darum, mitreißende Musik zu genießen, talentierten Sängerinnen und Sängern zu lauschen und die unheimlich moderne, aufgeklärte und sehr andere Interpretation und Darstellung der Passion Christi zu erleben. Andrew Lloyd Webbers Meisterwerk wird derzeit in der Waggonhalle Marburg aufgeführt und wir haben es schon gesehen.

Waggonhalle Produktion No. 27: Unter diesem Namen arbeiten der musikalische Leiter Tom Feldrappe und Regisseurin Katrin Rouwen schon seit Monaten an dem Projekt Jesus Christ Superstar, das in englischer Originalfassung am letzten Mittwoch Premiere feierte. „Ich will dieses Musical schon lange verwirklichen und so haben wir mit einem Kreativ-Team gecastet und fantastische Stimmen für unsere Produktion gewonnen“, so Tom Feldrappe.

„Respekt- und Pietätlosigkeit“ wurden dem Musical bei seiner Erstaufführung am Broadway vorgeworfen. Die Vermenschlichung Jesu sorgte für Kritik, die Ikonisierung Christi wurde negativ beleuchtet. Es geht um die Liebe zu Maria Magdalena, um Machthabe, Verrat und Ängste. Der Zuschauer bekommt eine neue Sichtweise aus dem Blick von Judas auf die Passionsgeschichte, wie sie im Jahr 2016 stattgefunden hätte. Modern mit Smartphones, Dragqueens und Showgirls, aufgeklärt und provozierend hat Katrin Rouwen das Stück der 70er zu ihrer ganz eigenen Version gemacht. Und das mit Sängerinnen und Sängern, Schauspielerinnen und Schauspielern aus Marburg, Gießen und Umkreis. Eine fantastische Liveband, beeindruckender Chorgesang und Stimmen voller Emotionen und Leidenschaft machen das Musical zu einem einzigartigen Werk.

In die gar nicht mal so große Waggonhalle wurde eine bombastische Kulisse gebaut.

In die gar nicht mal so große Waggonhalle wurde eine bombastische Kulisse gebaut.

„Ich habe durch die Produktion tolle Menschen kennengelernt. Und die Musik ist sowieso einfach großartig!“, schwärm Lukas Nadjiri in der Rolle des Jesus, der mit seiner großartigen Stimme für Gänsehaut gesorgt hat. „Die Proben und das Sammeln von Ideen haben umheimlich viel Spaß gemacht“, so Tom Feldrappe. „Die Motivation und das Engagement aller Mitwirkenden hat für viele kostbare Momente gesorgt.“

Wenn ihr also auch Lust auf tolle Stimmen und rockige Musik habt, dann schaut euch eine der insgesamt 25 Aufführungen bis Ende Oktober an und bildet euch eine Meinung. Wir sagen: Echt empfehlenswert!

Fotos: Julia Mädrich

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