Gute Nachrichten für deutsche Musikfans: Die Videoplattform YouTube und die Rechte-Verwertungsgesellschaft Gema haben sich auf einen Lizenzvertrag geeinigt. Das heißt, die Meldung „Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar“ ist ein für alle Mal Geschichte.

Ein Text von Mariana Friedrich mit Material von dpa

Sie sind weg! Wer heute Morgen auf Youtube ein urheberrechtlich geschütztes Video angeklickt hat, dürfte ganz schön gestaunt haben. Oder vielleicht hat er auch gar nichts mitbekommen, denn statt des roten nichtlachenden Smilies, der uns in den vergangenen Jahren zur Weißglut trieb, weil der Content für uns in Deutschland gesperrt war, tauchte dieses Mal einfach nicht auf.

Er taucht vorerst gar nicht mehr auf, denn YouTube und die Gema haben sich nach langem Hin und Her geeinigt. Das sagte eine Gema-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Dank des Vertrags würden die Künstler, die Mitglied der Gema sind, nun auch für das Abspielen der Videos auf YouTube bezahlt, hieß es in einer Gema-Mitteilung.

Ein Meilenstein der Video-Geschichte?

Jahrelang diskutierten beide Verhandlungspartner darüber, ob YouTube die von der Gema vertretenen Rechte ohne Bezahlung nutzen darf. In Deutschland vertritt sie die Urheberrechte der bei ihr angemeldeten Kulturschaffenden, also Musiker und Künstler. Wenn ein Clubbetreiber jetzt beispielsweise Songs von einem dieser Künstler spielt, muss er den entsprechenden Gema-Beitrag zahlen, von dem die Gema dann wieder einen Betrag an den Künstler weitergibt. Ob diese Vergütung fair oder zeitgemäß ist, sei dahingestellt. Denn auch gegen die Gema gibt es immer wieder kritische Stimmen.

Fakt ist allerdings, das YouTube als sendendes Medium wie ein Fernsehsender oder Clubbetreiber agiert und von den Kunstwerken profitiert. Bezahlt haben sie bisher allerdings nichts, die Künstler gingen leer aus. Und das soll sich jetzt ändern. „Nach sieben Jahren zäher Verhandlungen markiert der Vertragsabschluss mit YouTube einen Meilenstein für die GEMA und ihre Mitglieder“, kommentiert Dr. Harald Heker, Vorstandsvorsitzender der Gema. „Unserem Standpunkt, dass Urhebern auch im digitalen Zeitalter eine angemessene Vergütung zusteht, sind wir trotz aller Widerstände treu geblieben. Entscheidend ist, dass der jetzt erzielte Lizenzvertrag sowohl die Zukunft als auch die Vergangenheit abdeckt. Mit diesem Abschluss können wir unseren Mitgliedern die Tantiemen sichern.“

Ein Vorbild für andere

Nun dürfte nicht lange auf sich warten lassen, bis andere Online-Plattformen nachziehen. Denn warum sollte ich meinen Content bei MyVideo oder Vimeo einstellen, wenn ich beim Konkurrenten für die Nutzung meiner Inhalte angemessen vergütet werde? „Der Vertragsabschluss mit YouTube ist ein deutliches Signal an alle Online-Plattformen, die ihr Geschäftsmodell mit der Kreativität der Musikschaffenden erfolgreich aufbauen“, ergänzt Thoams Theune, Direktor Sendung und Online bei der Gema. „Die Urheber müssen für die Nutzung ihrer Musikwerke angemessen vergütet werden. Dafür wird sich die Gema auch weiterhin aktiv einsetzen.“

Weiterhin bestehen unterschiedliche Rechtsauffassungen zwischen YouTube und der Gema darüber, ob YouTube oder die Uploader für die Lizenzierung der genutzten Musikwerke verantwortlich sind. Der Vertrag ist ein erster Schritt.

Politik ist gefordert

„Trotz Abschluss dieses Vertrages, ist die Politik gefordert, einen klaren Rechtsrahmen zu schaffen“, bekräftigt Dr. Harald Heker. „Der wirtschaftliche Wert kultureller und kreativer Werke muss auch den Schöpfern der Werke zugutekommen. Hier muss ein modernes Urheberrecht geschaffen werden, das den Musikschaffenden ermöglicht, ihren wirtschaftlichen Anteil an der digitalen Wertschöpfung geltend zu machen.“

 

 

Foto: Sven Hoppe/dpa

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