Hier in Marburg kennen wir ihn als Freddie Mercury, singenden Märchenprinzen, Blues Brother oder seit kurzem auch als David Bowie. Artur Molin gehört zum Schauspiel-Ensemble des Hessischen Landestheaters. Dabei überzeugt er immer wieder vor allem durch seine musikalische Ader. Die lebt der 39-Jährige demnächst jedoch nicht nur in verschiedenen Stücken, sondern auch in der Casting-Sendung The Voice of Germany aus. Wir haben mit ihm über sein persönliches Abenteuer gesprochen.

move36: Artur, die erste Frage, die mir auf den Lippen klebt ist: Warum? Reicht dir die Theaterbühne nicht?

Artur Molin: Natürlich. Ich fühle mich auf der Theaterbühne sehr wohl. The Voice of Germany ist halt etwas komplett anderes. Ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, seit es diese Sendung in Deutschland gibt, aber nie den richtigen Zeitpunkt gefunden, um mich zu bewerben, obwohl meine Freunde schon immer meinten, dass ich das unbedingt machen sollte. Nun habe ich mich einfach mal getraut und es in die Blind Auditions geschafft. Ich wollte einfach etwas Verrücktes machen. Das schien mir verrückt genug zu sein (lacht).

Die Sendung beginnt in einer guten Woche. Was ist bisher schon passiert?
Sehr viel. Das erste Casting war schon im Februar in Frankfurt. Allein an diesem Tag musste ich schon drei Runden überstehen. In der ersten wollte die Jury, die aus Produzenten und Vocal-Coaches besteht, nur ein oder zwei Zeilen eines Songs hören, um erstmal grundsätzlich festzulegen, ob man singen kann. In Runde zwei saßen da schon mehr Zuhörer, es gab Licht und Playback, also Musik zum Singen. Die Finalrunde des Tages war dann schon ziemlich krass, denn man musste vor allen singen. Im Publikum saßen Produzenten von Pro7 und SAT 1 und auch der Universal-Chef.

Offenbar hast du an diesem Tag ordentlich Eindruck schinden können. Wie ging es dann weiter?
Scheinbar konnte ich alle dort überzeugen. So bekam ich zwei Wochen später eine Einladung nach Berlin zum finalen Casting. Jetzt wurde es ernst. Ich bekam eine Liste mit 100 Songs, aus denen ich mir 15 raussuchen sollte. Eine Woche vor dem Casting bekam ich dann drei Songs aus meiner Auswahl, die ich vorbereiten sollte. Dort musste ich dann schon Interviews geben. Überhaupt musste ich in der Zeit bis zur Aufzeichnung der Blind Auditions eine Menge Interviews geben. Das ist schon ziemlich aufregend. Bei der Aufzeichnung der Sendung ging es dann zu wie in einer Fabrik. Man durchlief verschiedene Stationen vom Styling über Verträge, die man unterschreiben muss bis man dann endlich vollkommen allein auf dieser riesigen Bühne steht und diese drehbaren Sessel der Jury vor sich hat.

Hört sich an, als haben dir da ganz schön die Knie geschlottert. Bist du die Bühne nicht gewöhnt?
Nicht so eine (lacht). Man durfte vorher nur einmal kurz auf der Bühne proben. Dann wird es ernst. Die Band steht direkt hinter einem, die Jury sitzt mit dem Rücken vor dir, und das Publikum ist kaum sichtbar, weil so viel Licht auf die Bühne scheint – und dann soll man dort sein Bestes abrufen. Das ist auch für mich eine komische Situation.

Hast du in diesem Moment die Jury auch zum ersten Mal live gesehen?
Ja, das kommt noch hinzu. Vorher hat man nur mit Produzenten und den ganzen Mitarbeitern, die eine logistische Meisterleistung hinlegen, zu tun. Auf einmal sitzt da die Jury aus dem Fernsehen und man hofft, dass sich wenigstens einer rumdreht.

Die Frage, ob sich jemand rumgedreht hat, erübrigt sich, weil du das noch nicht verraten darfst. Kannst du uns aber sagen, wer dein Favorit in der Jury ist?
Nein (lacht), also nicht so richtig. Man wird dort natürlich auch ständig gefragt, wen man präferiert, aber wenn man dann auf der Bühne steht und alle ein wenig kennenlernt, geht es rein nach Gefühl. Vorher hat man ja nur Vorstellungen von den Personen und pickt sich da den heraus, der musikalisch und menschlich zu passen scheint. Trifft man die Leute dann aber, kann sich das wieder ändern. Ich habe immer gesagt, dass ich am liebsten in das Team von Andreas Bourani oder Yvonne Catterfeld würde ohne, dass ich auch nur einen aus der Jury kannte. Das hat nichts mit der späteren Entscheidung zu tun.

Wie haben deine Theater-Kollegen reagiert, als sie es erfahren haben?
Denen habe ich das schon sehr früh gesagt, denn  ich musste ja auch öfter zu Castings und der Show-Aufzeichnung und konnte dann nicht proben oder spielen. Es war notwendig, das gleich mit allen abzuklären. Unser Intendant Matthias Faltz hat mich davon Anfang an auch sehr unterstützt und mir die Freiräume gegeben, wofür ich sehr dankbar bin. Natürlich waren alle gleich sehr neugierig, aber auch ihnen darf ich noch nicht zu viel verraten

Mit wem schaust du dir die Sendung an?
Ich weiß noch nicht, wann sie ausgestrahlt wird, aber ich denke, ich schaue das mit meinen Freunden und Kollegen. Wir haben schon darüber nachgedacht, hier im Theater einen Beamer aufzubauen. Es wird bestimmt total komisch, sich selbst dort zu sehen. Ich bin sehr gespannt.

Machst du das alles aus Spaß an der Freude oder verfolgst du das Ziel Popstar zu werden?
(lacht) Für mich ist die Teilnahme ein großes Abenteuer. Das zählt für mich. Ich erträume mir jetzt nicht allzu viel, aber natürlich erhoffe ich mir auch, dass ich dadurch bekannter werde, was für meine Theaterkarriere von Vorteil wäre. Das Theater ist halt meine Leidenschaft. Musik mache ich nur halt schon seit ich denken kann. Ich bin sehr froh, dass ich das hier in Marburg sehr oft miteinander verbinden kann. Ich war immer in Bands. Momentan fehlt mir jedoch die Zeit. Die Arbeitszeiten von Schauspielern sind ziemlich schräg, deswegen musste ich meine letzte Band leider verlassen. Musik ist mir jedoch sehr wichtig. Auch deswegen mache ich bei The Voice of Germany mit. Das Niveau ist sehr hoch und die Leute dort sehr professionell und super nett.

Artur hat uns nach dem Interview versprochen, Bescheid zu geben, wenn er weiß, wann seine Folge ausgestrahlt wird. Wir werden euch natürlich informieren, damit ihr mit ihm mitfiebern könnt. 

Foto: Neven Allgeier

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