„Die Demonstration stellt eine Möglichkeit der politischen Partizipation dar und dient der bürgerlichen Meinungsäußerung, sowie der öffentlichen Willensbildung in der Demokratie“. So oder so ähnlich, hab ich das während meines Politikstudiums gelernt. Und trotzdem kann ich meine Demonstrationsteilnahmen an zwei Händen abzählen. Warum?

Das ist eine gute Frage. Über die fehlende Bereitschaft an klassischer politischer Partizipation kann man Abschlussarbeiten schreiben und wahrscheinlich Bücher füllen. Will ich hier aber gar nicht. Ich will euch von meiner erste Demonstration in Marburg berichten. Also nicht mehr drüber grübeln, sondern auf die Straße. Aber natürlich nicht irgendeine, man will ja nicht einfach hinterherlaufen. Was dabei passieren kann, haben wir in der Geschichte ja schon das ein oder andere Mal gesehen…

Es war die Demonstration am 1.Mai – Tag der Arbeit. Was sonst. Die Demos in Berlin oder Hamburg zu diesem Datum genießen einen berühmt-berüchtigten Ruf und in Marburg habe ich nicht weniger erwartet. Tatsächlich wurde ich etwas enttäuscht. Es lief alles sehr gesittet, erst der Marsch von der Bahnhofsstraße zum Rathaus – eine kurze Kundgebung – weiter durch die Oberstadt zum Elisabeth-Blochmann-Platz an der Mensa – noch eine Kundgebung. Das war’s. Ok nicht ganz. Parolen wurden selbstverständlich die ganze Zeit gebrüllt, die Kundgebungen waren eine Mischung aus Grundsatzideologien und Lokalitätsbezug, doch richtig Demonstrationsatmosphäre kam erst auf, als ein Bengalo gezündet wurde. So habe ich mir eine echte Demo vorgestellt. Doch wenige Minuten später ist der Spuk auch schon wieder vorbei. „Das war jetzt alles?“, denke ich mir. „Damit soll man nun etwas bewegen?“ Solche Demos kennt man nicht aus den Nachrichten.

Was lernen wir also aus diesem ersten Mal? Demonstrieren als neues Hobby? Eher nicht so. Aber es war doch eine ganz eigene Erfahrung. Jede Demonstration hat ihre eigene Dynamik. Meine erste war jetzt nicht unbedingt das Paradebeispiel, aber hierbei geht ja auch nicht um Spaß. Es geht um Partizipation, wobei man dabei natürlich Spaß haben kann (soll es geben). Und meine letzte Demo war es auch nicht. Um mit ein wenig Pathos zu schließen, bleibt nur zu sagen: „Geh mal wieder auf die Straße, geh mal wieder demonstrier’n, denn wer nicht versucht zu kämpfen, kann nur verlieren!“.

 

Foto: Maurizio Gambarini/dpa

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