Dass direkt bei meinem ersten Termin auf den Lahnbergen das Mädel neben mir kreidebleich geworden ist und näher am Kollaps war als ich damals meinem Bachelorabschluss, war jetzt nicht wirklich sehr ermutigend. Mein Kumpel hat mich nur doof angegrinst und meinte noch: „Ach komm, passiert schon nichts. Du hast doch vorher was gegessen und ordentlich getrunken?“ – hatte ich natürlich nicht. Nein, es geht nicht um eine Vorlesung am Lahnberge-Campus. Ich war, wie viele neue Studenten in Marburg, Blutplasma spenden, und das ist was ganz anderes, als das stinknormale Blutspenden in der Sporthalle des Heimatstädtchens.

Blutspenden war ich nämlich schon sehr oft, eigentlich seit dem ich 18 bin. Alle drei Monate brav zum Roten Kreuz gedackelt und meine „Bürgerpflicht“ erfüllt, wie es meine Mutter gern genannt hat. Man muss doch Blut spenden, um denen zu helfen die es dringend benötigen. Und lecker Käsebrötchen gab es danach auch immer noch. Klassisches Win-Win.

Wie erstaunt ich war, als ich das erste Mal hörte, dass es sogar Geld dafür geben würde, kann man sich wahrscheinlich ganz gut vorstellen. Und ein Brötchen sogar auch noch. Und Orangensaft so viel man möchte. Wahnsinn. Die kurze innere Debatte darüber, ob ich meinen Körper verkaufen sollte, es nicht doch meine „Bürgerpflicht“ sei, anderen Menschen zu helfen, auch ohne Geld, hatte ich schnell mit mir selbst ausgemacht. Ich helfe ja immer noch anderen Menschen damit. Und auch noch mir. Und es gibt gratis Käsebrötchen – quasi eine Win-Win-Win-Situation!

Blutplasma spenden ist sogar noch besser, denn es ist zum einen jede Woche möglich (außer man war vorher Blutspenden, dann erst wieder nach zwei Wochen) und man hilft noch ein bisschen mehr, denn das Blutplasma ist viel wertvoller als „normales Blut“. Auch die ganzen Horrorstories, die ich im Vorfeld gehört habe, entpuppten sich als unwahr oder eher so halbwahr. „Da wirst du an zwei Maschinen angeschlossen, eine links eine rechts!“. „Mindestens zwei Stunden da liegen und nichts machen können! Mega schlimm“ oder Ähnliches wurde an mich herangetragen. Aber alles Quatsch. Man bekommt nur eine Nadel (bei der man sich sogar noch aussuchen kann, ob links oder rechts), es dauert maximal eine Stunde und durch das Krankenhaus WiFi kann man problemlos die Zeit überbrücken. Oder man nimmt sich einfach einen Kumpel mit, geht vorher in der Mensa auf den Lahnbergen lecker was essen, flaniert dann gediegen zum Krankenhaus und bekommt 20 Euro…äh hilft anderen Menschen.

Aber seien wir mal ehrlich. Es ist schon eine Win-Win-Win Situation. Das Krankenhaus braucht das Blut(plasma) der Studenten und die Studenten brauchen das Geld des Krankenhauses. Für alle Beteiligten ein guter Deal. Sogar für den Orangensaftlieferanten, an den denkt sonst keiner. Und seien wir mal ehrlich, es gibt schlimmere Wege seinen Körper zu verkaufen, um sich das Studium zu finanzieren.

 

Foto: Ralf Hirschberger/dpa

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