Neben Schauspieler Artur Molin hat Marburg noch ein zweites Pferdchen im Rennen um die nächste Voice of Germany. Andreas Steiger sicherte sich am Sonntag Coach Samu Haber und zog so in die Battles ein. Wir haben mit dem 23-jährigen Jura-Studenten über seine Teilnahme, seine Musik und Marburg gesprochen.

move36: Du wolltest dich am Marburger Landgrafenschloss mit uns treffen. Warum? Was bedeutet dir dieser Ort?
Andreas Steiger: Ich war jetzt schon länger nicht mehr hier. Dabei ist es hier wirklich schön. Ich war oft abends mit Freunden auf ein Bier und eine Zigarette hier. Die Aussicht ist einfach der Wahnsinn. Von hier sieht man Marburg, wie es leibt und lebt.

Du scheinst ja ziemlich begeistert von „deiner“ Stadt zu sein. Dabei kommst du ja eigentlich aus Paderborn.
Richtig, aber ich sehe mich mittlerweile eher als Marburger. Ich fühle mich hier so wohl. Marburg hat einfach so viel zu bieten. Hier trifft man auf verrückte Leute, die verrückte Sachen machen. Das erinnert schon an größere Städte, wie Berlin oder so. Die Stadt verändert sich ständig. Man merkt diesen studentischen Spirit. Das liebe ich einfach. Marburg ist für mich irgendwie sowas wie eine Lebenseinstellung geworden. Das Leben hier hat mich sehr geprägt.

Berlin ist ein gutes Stichwort. Da bist du ja jetzt auch öfter, um dich durch die Runden von The Voice of Germany zu singen. Wie kam es dazu?
Also Musiker wollte ich eigentlich schon immer werden. Ich schreibe seit zehn Jahren Songs und produziere sie auch mittlerweile selber. Ich habe meine Aufnahmen früher auch schon an Labels geschickt, aber ohne Erfolg. Da war ich auch noch auf einem deutlich niedrigeren Level, als heute. Dann habe ich hier in Marburg mit Jura angefangen. Kurz vor den letzten Castings habe ich noch meine letzte Hausarbeit vor dem ersten Staatsexamen geschrieben. Meine Schwägerin hat mir in dieser Zeit einen Link für die „Last Chance Day Castings“ geschickt und meinte: „Da gehst du hin!“. Ich habe es dann davon abhängig gemacht, ob ich meine Hausarbeit bestehe. Das war der Fall, also musste ich zum Casting nach Berlin. Ich dachte mir, dass ich nach dem ersten Staatsexamen sowieso keine Zeit mehr für Musik haben werde und dieses Casting tatsächlich meine vorerst letzte Chance ist, vielleicht doch noch Musiker zu werden.

Das Marburger Schloss ist ein besonderer Ort für Andreas Steiger. Hier bekommt er einen freien Kopf – und eine gute Aussicht.

Das Marburger Schloss ist ein besonderer Ort für Andreas Steiger. Hier bekommt er einen freien Kopf – und eine gute Aussicht.

Das Casting liegt ja nun schon ein Weilchen zurück. Auch die Aufzeichnung der Blind Auditions, in der du am Sonntag zu sehen warst, war schon Ende Juni. Was ist in der Zwischenzeit so passiert?
Natürlich üben wir viel mit unseren Vocal-Coaches. Auch Interviews geben gehört mittlerweile dazu. Ich habe schon ganze fünf Autogrammkarten unterschrieben (lacht). Man muss wirklich sagen, dass es hinter den Kulissen wirklich genauso abläuft, wie im Fernsehen gezeigt wird. Das Team, die Coaches und auch die anderen Kandidaten gehen sehr fair und respektvoll miteinander um. Bei den Shows sind auch immer wieder ehemalige Kandidaten dabei. The Voice ist wirklich so etwas wie eine kleine Familie.

Wie war es für dich, als du dich am Sonntag auf dieser Bühne gesehen hast?
Ganz schön krass. ich muss sagen, dass ich mit dem Auftritt an sich nicht so zufrieden war. Die Coaches haben ja auch gemeint, dass das noch besser geht und man hörte, dass ich nervös war. Das stimmt voll und ganz. Ich war sehr nervös und habe den Song vorher drei Monate lang akribisch geübt. Das war dann auch der Fehler.

Wie meinst du das? Du hast also zu viel geübt?
Irgendwie schon. Ich habe mich so auf jede technische Kleinigkeit konzentriert, weil der Auftritt perfekt werden sollte. wenn man so akribisch übt und einen Song so lange so intensiv singt, bleibt manchmal das Gefühl auf der Strecke. Man konzentriert sich nur noch auf die Technik. Als ich auf der Bühne stand, hat sich innerlich alles bei mir zusammengezogen. Ich habe echt leicht Panik beim Singen bekommen. Deswegen klang das alles manchmal etwas zu gedrückt. Aber jetzt weiß ich, was auf mich zukommt. In den Battles wird das anders sein. Die Coaches zeigen mir auch, wie man locker bleibt. The Voice ist auch eine gute Schule. Ich lerne hier noch viel dazu.

Allen voran von Samu Haber, für den du dich in den Blind Auditions entschieden hast. War er von Anfang an dein Wunschkandidat?
Also erstmal war mein Ziel, dass sich überhaupt irgendwer rumdreht. Außer den Fantas haben das ja dann zum Glück sogar alle getan. Natürlich hat man seine Favoriten. Das waren für mich immer die Fantas und Samu. Als die Coaches mich aber dann in ihr Team locken wollten, hat vor allem Andreas Bourani ganz schön um mich gebuhlt. Der Mann kann echt gut reden und sehr überzeugend sein, aber ich habe mich letztlich aus dem Bauch heraus entschieden und Samu gewählt. Alle drei hätten mir weiterhelfen können, aber ich hatte das Gefühl, dass das musikalisch am besten mit Samu und mir passt.

Was ist dir bei deiner Musik oder deinen Auftritten besonders wichtig?
Ich will authentisch sein. ich weiß, dass ich in einer Casting-Sendung auftrete, mit der auch Geld gemacht wird. Das ist aber okay, denn ich bekomme ja auch etwas zurück. Ich lerne hier viel. Wichtig ist aber, dass ich, ich bleiben darf. Deswegen habe ich mich auch bewusst für The Voice of Germany beworben. Hier geht es um die Stimme und nicht um das Image. Wenn ich irgendwo auftrete, möchte ich, dass das Publikum das fühlt, was ich dort gerade fühle. Ich will mit allen auf Augenhöhe sein. Das geht nur, wenn ich echt bin. Authentisch sein ist für mich sehr wichtig.

 

Fotos: Philipp Queitsch

Share This